Bauch, Beine, Po mit Sisi

Die Kaiserin galt zu ihrer Zeit als geradezu süchtig nach Bewegung und Fitness. Noch heute kann man einen ihrer zahlreichen Turnräume – bestückt mit Ringen, Hanteln, Schwebebalken und Sprossenwänden – besichtigen. Wir haben uns gefragt, wieso Sisi auch hier ihrer Zeit voraus war und heute wahrscheinlich ein Fitnessguru wäre.

Sisi bewegte sich täglich und ausgiebig. Dem Volk war dieser starke Bewegungsdrang ein Rätsel – selbst mussten sie täglich schwere körperliche Arbeit verrichten und verstanden kaum, wieso Sisi sich freiwillig körperlich betätigte: Eine Kaiserin musste sich doch nicht bewegen! Doch Sisi wusste schon damals Bescheid um die Wirkung der körperlichen Ertüchtigung und ließ keine Gelegenheit aus, ihren Körper mit Bewegung zu formen und zu stärken.

Die Kaiserin zu Pferde

Der Damensattel galt zu Sisis Zeiten als einzige Möglichkeit, als Frau überhaupt reiten zu können und auch zu dürfen. Wenn diese Art des Reitens auch die einzige geduldete war, so sah ihre Schwiegermutter Sisi nicht gerne reiten. Sophies Meinung nach hatte eine Kaiserin vielleicht bei sanften Ausritten pressewirksam auf dem Pferd zu sitzen – Sisi hatte jedoch viel mehr Spaß an waghalsigen Jagdritten. Obwohl der Damensattel heutzutage geradezu belächelt wird, ist er eine der schwierigsten Reitarten und eigentlich kaum mit schnelleren Gangarten vereinbar. Sisi jedoch machte sich als Jagdreiterin über die Grenzen Österreichs hinaus einen Namen. Ihre exzellente Balance verdankte sie dem Voltigiertraining: der Akrobatik auf dem Rücken eines im Kreis laufenden Pferds.

Aerobic à la Sisi

In den 80ern eroberten Jane Fonda und Co. mit Aerobicvideos unsere Fernsehgeräte und Wohnzimmer. Fitnessbewusste Frauen mit Spaß an der Bewegung wurden noch mehr zum Ideal und werden auch heute noch bewundert.

Doch die Fitnessgöttinnen hatten ein Vorbild aus dem 19. Jahrhundert: Sisi entwickelte bereits mehr als 100 Jahre zuvor ihr eigenes Turnprogramm zu Musik, das sie eisenhart täglich durchzog. Wer weiß, ob „Bauch, Beine, Po mit Sisi“ nicht ein Renner an den Kassen geworden wäre – hätte es damals schon die Möglichkeit einer solchen Verbreitung gegeben.

Imperial Walking

Als Sisi das Reiten und Turnen zu langweilig wurde, entwickelte sie ein neues Sportprogramm: Gewaltmärsche standen auf dem Programm. Was wir heute als Nordic Walking oder Interval Walking kennen, zog Sisi gemeinsam mit einer Entourage aus Hofdamen – heute wären das wohl eher ihre weiblichen Bodyguards – durch. Dabei trotzte sie Wind und Wetter und ließ die durchaus fitten Begleiterinnen auch mal gerne weit hinter sich. War das Joggen auch noch nicht erfunden – Sisi war dem schon mehrere Schritte voraus, im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Sisis Körperkult ist auch heute noch Auslegungssache: Die einen würden sie als völlig egozentrisch, eitel und magersüchtig beschreiben, für die anderen stellt sie eine selbst-, schönheits- und körperbewusste Frau dar.

Fakt ist: Sisi war ihrer Zeit voraus. Heute wäre eine Frau, die ihr Leben selbst in die Hand nimmt, strikt auf ihre Figur achtet und sich täglich mit Naturkosmetik pflegt, wohl nichts Besonderes: Die sportliche junge Frau mit der „Bombenfigur“, dem gepflegten Haar und dem kleinen Tattoo (sie ließ sich auf einer Reise in die Ägäis einen Anker tätowieren, was den Kaiser angeblich ordentlich verärgerte) fiele uns im heutigen Wien kaum auf.