A beautiful obsession

Ein schönes Gesicht mit Mega-Mähne an einer Top-Figur – Sisi gilt bereits zu ihren Lebzeiten als schönste Monarchin Europas. In ihrer Jugend eher natürlich schön, ist sie mit zunehmendem Alter immer besessener von ihrem Aussehen. Täglich verbringt sie Stunden mit Pflege und Styling. Geld hat sie genug, also kauft sie alle möglichen Tiegelchen, Tuben und Döschen. Ihre Zofe muss ihr immer Kosmetik-Proben aus allen Edelkaufhäusern besorgen. Mit eiserner Disziplin möchte Sisi um jeden Preis jung, schlank und attraktiv bleiben. Sisis Schönheit wird zur Obsession und verliert sich gleichzeitig darin.

Als schön gelten ein blasser Teint, rote Lippen und rosige Wangen. Makeup ist zu dieser Zeit – außer für Schauspielerinnen und Prostituierte – ein No-Go. Also muss man sich anders behelfen. Augenbrauenzupfen und ein paar Tropfen Rizinusöl für Augenlieder und Wimpern gehen gerade noch. Sisi nimmt außerdem losen Reispuder oder ihren Favorit, den „Pearls White Imperial Powder“. Das ist ein Perlenpuder aus Bismutmineralien. Er zaubert einen diamantenen, strahlenden Teint. Sisi hat ihn auf einer ihrer Englandreisen entdeckt. Rouge gibt es auch damals schon: Man massiert einfach den Saft von roten Rüben in die Wangen ein. Rot dürfen auch die Lippen sein. Das Lippenrouge aber bitte dezent verwenden, man will ja nicht mit Damen aus anderen Branchen verwechselt werden.

So dezent Sisi mit Makeup umgehen muss, so ausschweifend kann sie bei der Pflege sein. Sie lässt sich eigene Reinigungslotionen anrühren und anschließend die Haut mit Kräuteressigen reinigen. Da das – wie man heute weiß – eher Quatsch ist und die Haut ziemlich austrocknet, muss Sisi sie anschließend mit Rosen-, Dill oder Pimpernellwasser beruhigen. Eine der wichtigsten Basis-Cremen, die Sisi regelmäßig benutzt, ist ein Mix aus Wachs, süßem Mandelöl, Rosenwasser und Walrat. Das Ganze nennt sich Creme Cèleste und ist bei den feinen Damen des 19. Jahrhunderts total in.

Vegan ist damals leider noch kein Thema: Bei Walrat handelt es sich um eine wachs- und fetthaltige Substanz aus dem Vorderkopf des Pottwals. Auch Sisis geliebte „Coldcream“, erzeugt zwar ein angenehmes Kältegefühl, kommt aber leider nicht ohne einen hohen Anteil an Bienenwachs aus. Noch mittelalterlicher wird es bei einem Anti-Falten-Tipp, den Sisi aus England übernimmt: Sie legt sich über Nacht hauchdünne Kalbfleischstreifen auf ihr Gesicht. Heutzutage geht Faltenprophylaxe einfacher. Und tierfreundlicher. Zum Glück!

Einen Beauty-Tag einlegen? Macht Sisi regelmäßig. Mit Masken aus zerdrückten Erdbeeren und Bädern in warmem Olivenöl. Dank Vitamin A und E wirkt sich letzteres (auch heute noch) besonders positiv auf die Haut aus.

Was? Eine Sisi-Pflegelinie gibt es schon? Nicht ganz: Zwar werden für die Kaiserin eigene Pflegeprodukte hergestellt. Die Zutaten werden von den Leibärzten zusammengeschrieben und an die kaiserliche Hofapotheke übergeben. Die Apotheker mischen Sisis Cremen, Lotionen, Gesichts- und Duftwässer. Gute Ansätze waren schon dabei. Kein Zweifel. Nicht umsonst sind bis heute Rezepte erhalten. Ganz sicher Geschichte ist aber eines: Die Verwendung tierischer Stoffe. Experimente und Versuche an Tieren. Pflege soll nach wie vor schön machen. Aber nachhaltig, vegan und mit Zutaten, die wir hautnah lieben.